- Lippische LandeszeitungSelbstbestimmt Altern
Im Rentenalter auf die Schulbank

15. Februar 2015

SchulbankJutta Sarin (69) ist Stadtführerin in Detmold – „Neugierde hilft im Alter“

Detmold/Lemgo. Jahrzehntelang im Beruf, plötzlich in Rente: Viele Menschen begleitet in diesem Übergang die Angst, „in ein Loch zu fallen.“ Jutta Sarin nicht. Sie hat sich erfolgreich neuen Herausforderungen gestellt. Zweifel gab es vor diesem Umbruch viele: „Du bist dann so etwas wie eine lebende Tote“, zitiert Jutta Sarin eine der Aussagen aus ihrem Umfeld. Sie habe immer dafür gesorgt, dass sie neben der Arbeit auch viele andere Sachen macht. Sie sei bereit gewesen, sich zu lösen: „Die zwei wichtigsten Dinge im Leben sind annehmen und loslassen können.“

Zweifellos hat die heute 69-jährige Detmolderin ihren Beruf als Grundschullehrerin sehr geliebt. Das wird nicht nur aus ihren Worten deutlich, es steht ihr auch ins lächelnde Gesicht geschrieben, wenn sie über diese Zeit an der Schule spricht: „Ich bin stolz, dass ich so vielen Kindern etwas beibringen konnte.“ Neben Rechen- und Schreibfähigkeiten war es ihr wichtig, ihren Schülern auch lebenspraktisches Wissen mitzugeben.

Etwa anhand der Weisheiten, die in Märchenerzählungen vermittelt werden. Für manche sei sie schlicht „die Märchentante“ gewesen, erinnert sich Sarin schmunzelnd. Wenig „märchenhaft“ geriet ihr Abschied aus dem Schuldienst: „Da kam irgendwann ein formelles Schreiben von der Rentenkasse, da habe ich mich schon ein bisschen so gefühlt, als sei ich nicht mehr als irgendeine Nummer!“, erinnert sie sich.

Dennoch hätten die Möglichkeiten im Vordergrund gestanden, die ihre neue Lebenssituation bot, nicht die Bedenken: „Es war schließlich auch die Chance auf einen völlig neuen Anfang!“ Sie entschloss sich, im hohen Alter noch einmal von der Lehrerin zur Schülerin zu werden, belegte einen Malkurs und bewarb sich erfolgreich als Stadtführerin in Detmold. Das mit dieser Aufgabe verbundene Eintauchen in die Geschichte habe ihren Blick verändert: „Ich bin dankbarer geworden für einfache Dinge. Etwas heute Selbstverständliches wie sauberes Wasser war damals ein hohes Gut.“ Auch ihre Kreativität ist seit dem Wegfall beruflicher Verpflichtungen eher gewachsen: „Viele Menschen in Detmold kennen mich als die Frau mit dem Fächer“, erzählt Sarin, die auf ihren Führungen damit stets stilvoll das Lustwandeln der Fürstenfamilie am Wall nachstellt. Ohnehin: „Verspielter werden, vielleicht wieder ein bisschen mehr wie Kind sein, neugierig bleiben“ – diese Einstellung braucht es aus ihrer Sicht, um das Rentenalter genießen zu können. Denn letztlich sei diese Zeit doch ein Geschenk: „Freiheit ist schließlich das höchste Gut, dass es im Leben gibt!“
Sertac Inceer, Ömer Keles

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