- Nürnberger ZeitungKrisenmanagement
Mehr Zuspruch und keine Vorwürfe

5. April 2015

ElaDie Nachricht, dass das eigene Kind behindert auf die Welt kommt, löst bei den Eltern erst einmal einen Schock aus. Beim Deutschen Downsyndrom-Infocenter in Lauf berät Elzbieta Szczebak Familien, die sich auf ein Leben mit Kind einstellen, das ein Chromosom zu viel hat. Sie berichtet, welche Rolle das Umfeld spielt.

„Viele Eltern von Kindern mit Downsyndrom erleben diesen traurigen Moment, wenn jemand auf der Straße in den Kinderwagen guckt und zurückschreckt. Nach dem Motto: ,Oh, das hätte aber nicht sein müssen.‘ Eine Menge Eltern bekommt solche Vorwürfe zu hören. Das ist ein Schlag ins Gesicht für jeden Vater oder jede Mutter, wenn das Kind so abgewertet wird. Es ist besonders verletzend, wenn die nähere Umgebung nicht sensibel reagiert.


Gerade die Familie sollte deutlich machen, dass sie zu den Eltern steht und man die Krise gemeinsam bewältigt – auch wenn niemand ein Kind mit Downsyndrom erwartet hatte. Alle Eltern auf dieser Welt wünschen sich erst einmal ein gesundes Kind, genau wie alle Großeltern.

Was genauso verletzend für Eltern sein kann: Wenn Lehrer sagen, dass es keinen Sinn macht, ein Kind mit Downsyndrom auf der Regelschule zu behalten. Wenn man davon ausgeht, dass das Kind nichts kann, wird das Kind auch nicht gefördert. Man sollte Kindern mit Downsyndrom dagegen Lernangebote machen und ihnen helfen, sich gut zu entwickeln und selbstständig zu werden. Da staunen immer wieder viele, was alles möglich ist. Kindern mit Downsyndrom viel zumuten und zutrauen, das ist wichtig. Gleichzeitig sollte man sie nicht überfordern. Das Gras wächst nicht schneller, wenn man daran zieht. Das gilt für jeden Menschen, auch für diejenigen mit Downsyndrom.“

Protokoll: Lorenz Suchy, Ajenth Sribala

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