- Nürnberger ZeitungRegenerative Energiequellen
Physiker berät Nürnberger Haushalte in Energiefragen

10. Januar 2016

Klaus Kretzschmar ist Energieberater. Der 53-Jährige berät seit 2012 Familien mit geringem Einkommen, wie sie auf einfache Art Strom und Heizkosten sparen können. Das „Energiesparprojekt“ ist ein kostenloses Angebot des Sozialamts Nürnberg und gilt als Vorreiter in ganz Deutschland.
„Ich bin Physiker und habe zwanzig Jahre in einem Ingenieurbüro gearbeitet. Währenddessen habe ich eine Ausbildung zum Energieberater absolviert. Vor sechs Jahren habe ich mich mit diesem Beruf selbstständig gemacht. Das „Energiesparprojekt der Stadt Nürnberg“ gibt es seit 2008, ich bin seit 2012 dabei. Sozialhilfeempfänger bekommen einen festgelegten Betrag für Strom und Heizkosten. Doch in manchen Fällen reicht das Geld nicht aus. Dann schickt das Sozialamt mich, um den Menschen zu helfen.


Wir gehen gemeinsam durch die Räume und ich gebe ihnen Tipps zum Energiesparen. Zum Beispiel reicht es, wenn im Wohnzimmer etwa 21 Grad Celsius sind, denn das ist die durchschnittliche Wohlfühltemperatur. Alte Heizungsthermostate funktionieren oft nicht mehr so genau, sodass es sich lohnt, sie für circa 20 Euro auszutauschen. Außerdem reicht es, die meiste Wäsche bei 30 oder 40 Grad zu waschen. Sogar bei Kochwäsche genügen 60 Grad. Die meiste Energie wird beim Erhitzen von Wasser benötigt. Aber es hängt nicht nur vom Verhalten der Menschen ab, wie hoch der Energieverbrauch zu Hause ist.

Manchmal liegt es daran, dass eine alte Wohnung schlecht gedämmt ist oder die Fenster nicht gut isoliert sind. Wir vermitteln auch bei Problemen zwischen Mietern und Vermietern und empfehlen manchmal eine Sanierung. Wir acht Mitarbeiter des „Energiesparprojekts“ schaffen es, dass die Haushalte im Durchschnitt etwa 300 Euro pro Jahr einsparen können. Ich kenne auch Extremfälle, in denen die Menschen schon 2000 bis 10000 Euro Energieschulden hatten. Die Betroffenen bekamen Unterstützung, um ihre Schulden loszuwerden. Seit es unsere Institution gibt, haben wir bereits mehr als 3000 Haushalte beraten, wir gelten als Vorzeigeprojekt in Deutschland. In anderen Städten gibt es vergleichbare Angebote, bei denen etwa Arbeitslose geschult werden, um als Energieberater zu helfen, aber nur beim Stromsparen. Auch zu Hause achte ich darauf, Energie zu sparen. In unserem Zwei-Personen- Haushalt haben wir einen Energieverbrauch von 1200 Kilowattstunden im Jahr – das ist ziemlich wenig.“

Protokoll: Christina Fürsattel, Deborah Schöne

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