- Nürnberger ZeitungKrisenmanagement
Plan B in der Schublade

15. April 2015

FröhlichIn einem Unternehmen läuft nicht immer alles wie gewünscht. Im Gegensatz zu persönlichen Lebenskrisen, gibt es hier für Notfälle aber ganz genaue Ablaufpläne, an die sich jeder Mitarbeiter halten muss. Bernhard Fröhlich ist Betriebsleiter beim Lebensmittelhersteller Eisblümerl in Happurg-Thalheim und erklärt, wie sich sein Unternehmen auf schwierige Situationen vorbereitet.

„Wir sind ein Bio-Betrieb. Wir verwenden Nüsse und Saaten, die nicht mit Kunstdünger und Pestiziden behandelt wurden. Wir sind ein Handwerksbetrieb, bei uns gibt es auch keine Fließbänder. Denn solange der Mensch nicht vom Fließband kommt, sollte sein Essen auch nicht vom Fließband kommen, finde ich.

Die schlimmste Krise, die uns passieren könnte, wäre zum Beispiel, dass unser Lieferant Spuren von Pestiziden in der Ware findet, die wir weiterverarbeiten. Dann müssten wir sehr schnell handeln. Gut ist es in unserem Fall, dass es bei uns als Produzenten keine weiteren Firmen in der Produktionskette gibt, die in einem solchen Fall betroffen wären.

Im Gegenzug haben wir aber auch keine anderen Partnerfirmen, die uns in solchen Situationen helfen, sondern nur Versicherungen. Wir haben aber einen sogenannten Krisenplan, in dem genau steht, was zu tun wäre: Als Erstes werden der Chef und die Qualitätssicherung angerufen – egal, ob diese in der Firma oder im Urlaub sind. Im zweiten Schritt muss geprüft werden, ob Nüsse schon in Produktion Gegangen sind oder sich noch welche im Lager befinden. Wenn nicht, und die Ware schon verarbeitet und verkauft wurde, muss sie aus den Geschäften zurückgerufen werden. Um dies zu gewährleisten, führen wir eine lückenlose Rückverfolgbarkeit unserer Produkte.

Arbeitsanweisung bedeutet Sicherheit
Gleichzeitig müssen wir bei gesundheitlichem Risiko für den Verbraucher die Ämter informieren, damit diese eine öffentliche Mitteilung herausgeben. Bei uns im Betrieb mussten wir diesen Krisenplan zum Glück noch kein einziges Mal anwenden. In meinen Augen macht es aber Sinn, dass solch ein Plan in der Schublade bereitliegt. Eine strikte Arbeitsanweisung, an die sich ein Mitarbeiter halten muss, gerade wenn er mit der Situation überfordert ist. Denn im Zweifelsfall bleiben nur ein paar Stunden Zeit, den Plan umzusetzen. Wir haben diesen Plan zwar noch nie gebraucht. Das heißt aber nicht, dass wir nicht auch schon einmal eine Krise hatten. In einer kleinen Firma kann eine defekte Maschine oder ein fehlender Mitarbeiter schon eine kleine Katastrophe sein. Für diese Momente gibt es dann keine Pläne oder Schemata, welche uns helfen damit umzugehen, hier muss improvisiert werden, um die Produktion am Laufen zu halten.

Solche Probleme werden meist vom Betriebsleiter gelöst. So wird bei einem Geräteausfall ein Maschinenkundendienst geholt – oder bei Personalmangel eine Aushilfskraft vom Jobcenter. Und die Produktion wird für die Zwischenzeit entsprechend umgestellt.“
Protokoll: Jonas Möger, Christoph Tenschert

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