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Sollen Schüler (noch) mehr leisten?

20. Februar 2016

Sollen-Schueler-noch-mehr-leisten_pdaArticleWideGreifswald. Die Zahl der Studienabbrecher ist hoch. Laut Bildungsministerium verließen im Sommersemester 2014 und im folgenden Wintersemester 2848 Studenten die Uni Greifswald. Nur 822 von ihnen hatten einen Abschluss in der Tasche. 381 wechselten die Hochschule, der Rest ignorierte Rückmeldefristen oder brach das Studium ab. Die Gründe dafür beschäftigen auch Prof. Dr. Bernd Kugelmann von der hiesigen Mathematisch-Naturwissenschaftlichen Fakultät.„Die jungen Menschen kommen heutzutage von der Schule schlechter vorbereitet an die Uni alsfrüher“, so der 58-Jährige.Sollten die Hochschulen ihre Ansprüche und Standards reduzieren?

„Das wollen wir nicht und ich denke auch, dass es nicht der richtige Weg wäre“, meint der Mathematikprofessor. Die Schule sei in der Pflicht, Schüler besser auf das Studium vorbereiten. Um sich stärker auf die Kernfächer konzentrieren zu können, müsste die Anzahl der Fächer verringert werden. Am Greifswalder Humboldtgymnasium sind es in der zehnten Klasse 16.


„Früher waren es sogar 19“, sagt Schulleiter Ulf Burmeister. „Die Schüler haben heute 36 Unterrichtsstunden pro Woche. Das ist mehr als in mancher Fabrik gearbeitet wird.“ Hinzu kommen die Vor- und Nachbereitung und das Lernen für Klassenarbeiten. Zwar habe der Stress durch die Umstellung des Abiturs nach 13 Jahren auf zwölf zugenommen. Die Quoten derer, die durchfallen würden, hätten sich aber nicht erhöht, so Burmeister. Auch das Niveau der Prüfungen sei gleichgeblieben. Also ist es vielleicht eher eine Typfrage, ob man im Studium und im Wissenschaftsbetrieb besteht?

Welche Eigenschaften helfen, um in Mathematik erfolgreich zu sein? Die wichtigsten Voraussetzungen seien Neugierde, der Spaß am Knobeln und am Lösen von Problemen, meint Professor Kugelmann und erzählt: „Einmal während meines Studiums stand ein Skiurlaub an. Am Abend vorher wollte ich noch eine Übungsaufgabe erledigen. Ich rechnete hin und her und rätselte die ganze Nacht hindurch. Rückblickend war es eine primitive Aufgabe. Trotzdem habe ich daran lange gesessen, so lange, bis ich am Morgen die Lösung hatte. Das gab mir ein gutes Gefühl.“ Heute hält er überwiegend Vorlesungen für Studenten ab dem fünften Semester. Die Abbruchquoten sind dort deutlich niedriger als in den Anfangssemestern. Und wenn es doch jemand nicht schafft? „Das trifft mich immer persönlich und beschäftigt mich noch lange. Ich suche dann nach den Gründen und überlege, ob es an mir lag.“ Die Leidenschaft sich durchzubeißen, auch wenn es schwer ist, vermisst er etwas bei den Studenten heute. In der Schulzeit hatte er selbst mal in Mathe eine 6. Und nach dem Start ins Studium kamen ihm Zweifel, ob er mit Mathe die richtige Entscheidung getroffen habe. Als für ihn feststand, dass es so ist, wuchs in ihm sogar eine große Begeisterung für den Stoff.

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